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Wellenbrecher-Lockdown wirkt sich auf Wirtschaft aus

Lockdown light, Wellenbrecher-Lockdown, Bremsmanöver oder Lockdown 2.0 – es gibt viele Namen für die neuen Maßnahmen, mit denen die Regierung die Corona-Pandemie in den Griff bekommen möchte. In jedem Fall aber wirken sich die Einschränkungen deutlich negativ auf den Arbeitsmarkt und die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts aus. Die Rückkehr zum Vorkrisenniveau rückt in weite Ferne.

Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber sie kann sterben. So auch die Hoffnung darauf, dass die wirtschaftliche Entwicklung durch die Corona-Pandemie einen V-förmigen Verlauf haben könnte – es nach einem steilen Absturz also ebenso steil wieder bergauf ginge.

Diese Prognose hatte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im September aufgestellt. Da rechneten die Ökonomen noch damit, dass die heimische Wirtschaft Anfang 2022 wieder das Vorkrisenniveau erreichen könnte – allerdings schon damals unter der Prämisse, dass es nicht noch einmal zu weitreichenden Einschränkungen des Wirtschaftslebens käme.

Seit Ende Oktober ist nun aber klar, dass diese Prognose nicht Realität werden wird. Denn auf den harten Lockdown im Frühjahr folgt nun der Wellenbrecher-Lockdown – ein umfassendes Bremsmanöver für das öffentliche Leben, mit dem man die Ausbreitung des Virus erneut eindämmen will.

Die beschlossenen Maßnahmen werden erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaftsleistung haben: Die neuerlichen Einschränkungen können Deutschland in diesem Jahr etwa 3/4 Prozentpunkte – das entspricht etwa 20 Milliarden Euro – der gesamtwirtschaftlichen Leistung kosten. Das Bremsmanöver wirkt aber weit über 2020 hinaus (Grafik).

Das heißt auch, dass das Vorkrisenniveau nicht mehr bis Anfang 2022 zu erreichen ist. Der Wellenbrecher-Lockdown bremst Deutschlands Wirtschaft also über Jahre aus. Deshalb hatten viele Ökonomen bis zuletzt für regionale, zielgerichtete und anlassbezogene Maßnahmen statt des jetzt genutzten Gießkannenprinzips geworben.

Zudem sind die BIP-Zahlen nur eine Seite der Medaille. Die andere ist der Arbeitsmarkt, den der neuerliche, wenn auch abgeschwächte Lockdown ebenfalls trifft:

War das IW im September noch davon ausgegangen, dass die durchschnittliche Zahl der Arbeitslosen im kommenden Jahr um 15.000 Personen sinken wird, rechnet das Institut jetzt mit einem Plus von 15.000 Arbeitslosen.

In diesem Jahr werden die Effekte des Wellenbrechers indes noch nicht auf den Arbeitsmarkt durchschlagen, da dieser gemeinhin etwas träger reagiert als das BIP. Gleichwohl werden die Pandemie und die Maßnahmen zu ihrer Eindämmung die Zahl der Erwerbstätigen bis Jahresende gegenüber dem Vorjahr um 0,8 Prozent reduziert haben. Insgesamt sind in diesem Jahr dann mehr als 500.000 Personen in Deutschland zusätzlich arbeitslos geworden.

Quelle: iwd