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Unternehmen sollten Informationen teilen, nicht horten

Daten sind das neue Gold – mittlerweile sind sie die Grundlage vieler erfolgreicher Geschäftsmodelle. Doch jene Firmen, die über umfassende Datenbestände verfügen, wollen diese in der Regel nur ungern teilen. Inwiefern das zu ändern wäre und unter welchen Voraussetzungen, analysiert eine neue IW-Studie.

Die Welt der Daten ist zweigeteilt: Auf der einen Seite stellen öffentliche Einrichtungen – beispielsweise der Europäischen Union oder der deutschen Bundesregierung – große Mengen an Informationen frei zugänglich online. Damit kommen sie dem Wunsch der Open-Data-Bewegung nach, Daten so weit wie möglich zu demokratisieren.

Die – mittlerweile durch Studien fundierte – Überzeugung dieser Bewegung: Mit einem offenen Zugang zu großen Datenmengen werden viele neue Geschäftsideen überhaupt erst möglich.

Die EU-Kommission sieht das ähnlich und hat im Februar 2020 eine Datenstrategie präsentiert, die einen gemeinsamen europäischen Datenraum schaffen soll – als Grundlage des technologischen Fortschritts und des wirtschaftlichen Wachstums in Europa. Schon jetzt sind Daten ein ernst zu nehmender Wirtschaftsfaktor:

Für das Jahr 2019 beziffert die EU-Kommission das Volumen des EU-Datenmarktes auf mehr als 184 Milliarden Euro und annähernd 1,1 Millionen Mitarbeiter.

Staatlicherseits ist also die Erkenntnis gereift, dass frei verfügbare Daten gut für die Wirtschaft sind. Allerdings gibt es noch einiges Potenzial, den freien Zugang zu den Daten der öffentlichen Hand weiter zu verbessern. Denn selbst in Kanada und im Vereinigten Königreich – sie gelten bei Open Data als die staatlichen Musterschüler – fehlte im Jahr 2018 noch knapp ein Viertel der maximal möglichen Punkte in der Open Data Charter, die bewertet, wie gut Staaten Daten zugänglich machen. Deutschland landete in diesem Ranking übrigens lediglich im oberen Mittelfeld („Open Data: In Deutschland bisher zu wenig genutzt“).

Tauschgeschäfte sind auf dem Datenmarkt weit verbreitet

Auf der privatwirtschaftlichen Seite generieren zwar viele Firmen Daten, sind allerdings nur bedingt bereit, diese kostenlos weiterzugeben (Grafik):

Nur knapp 62 Prozent der Unternehmen, die Fremddaten nutzen, bekommen diese zumindest teilweise kostenlos; 58 Prozent müssen dafür – jedenfalls manchmal – zahlen.

Durchaus üblich ist es zudem, dass Firmen die Daten gegen eine andere Dienstleistung oder eine andere Form der (indirekten) Entlohnung eintauschen. So könnte beispielsweise eine Firma, die Daten eines Maschinenparks zur Verfügung gestellt bekommt, im Gegenzug Fehlfunktionen einzelner Maschinen identifizieren und dabei helfen, diese abzustellen.

Viele Firmen benötigen Fremddaten für ihr Geschäftmodell

Ob nun mit oder ohne Bezahlung, der Bedarf an fremden Daten ist jedenfalls groß (Grafik):

Im Frühjahr 2017 gaben knapp 45 Prozent der von der EU-Kommission befragten Firmen an, dass sie in nennenswertem Umfang Daten von anderen akquirieren. Nur 34 Prozent benötigten für ihre Geschäfte keine Fremddaten.

Entsprechend wenig überraschend ist, dass die von der Kommission befragten Firmen es gerne sähen, wenn noch mehr Daten noch einfacher geteilt würden. Allerdings sieht eine klare Mehrheit bei diesem Ansinnen eine rote Linie, die nicht überschritten werden soll (Grafik):

Fast 79 Prozent der Firmen meinen, dass sensible sowie geheime Unternehmensdaten immer geschützt werden sollten.

Gleichzeitig fänden es aber nahezu 68 Prozent gut, wenn das Teilen von nicht personalisierten und maschinell generierten Daten erleichtert und intensiviert würde.

Drei Anreize, um das Teilen von Daten zu fördern

Wie genau das gelingen könnte, hat die EU-Kommission abgefragt – und immerhin 84 Unternehmen gaben hierzu Auskunft. Das IW hat die Antworten ausgewertet und nennt drei Anreize, die für jeweils mehr als ein Drittel der Unternehmen besonders zielführend wären:

Rechtssicherheit. Die Politik sollte ein eindeutiges Regelwerk schaffen, an das sich alle Akteure beim Datentausch halten müssen. Dieses Regelwerk muss zum Beispiel klären, welche Arten von Daten zu welchen Bedingungen geteilt werden. Zudem sind klare Sanktionen nötig, sollte sich ein Marktteilnehmer nicht an die Regeln halten. Letztlich geht es den Befragten darum, dass ein präziser Rahmen für Chancengleichheit auf dem Datenmarkt sorgt.

Reziprozität. Wenn Daten weitergereicht werden, sollte dies in Form des Gebens und Nehmens geschehen. Sprich: Nur wer selbst Daten gibt, darf auch die Daten anderer nutzen. Nur so lässt sich das sogenannte Trittbrettfahrerphänomen verhindern – dass Marktteilnehmer vom Wissen anderer profitieren, selbst aber nichts beisteuern. Je größer der Kreis der Marktteilnehmer ist, desto schwieriger wird es allerdings, diese Bedingung effektiv umzusetzen – ein Problem, dass die EU-Kommission bei ihren Open-Data-Ambitionen immer mit im Blick behalten sollte.

Mehrwert. Firmen wollen Gewinn erwirtschaften. Deshalb sind sie vor allem dann bereit, Daten zu teilen, wenn sie sich davon einen Mehrwert versprechen – wenn sie durch den Austausch mit anderen also beispielsweise wertvolle Informationen über Kundenwünsche erhalten, die ihnen helfen, Produkte oder Dienstleistungen zu verbessern. Ein Mehrwert könnte aber auch darin bestehen, dass Start-ups und etablierte Firmen Daten gemeinsam nutzen und beide vom Know-how des jeweils anderen profitieren. Hier könnte die Politik Plattformen zur Kontaktaufnahme und für den Austausch schaffen.

Quelle:: iwd