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Softwarekenntnisse stehen für Unternehmen an erster Stelle

Dr. Jennifer Willms

Weil die Digitalisierung in den Unternehmen voranschreitet und die entsprechenden Kompetenzen für Fachkräfte immer wichtiger werden, setzen die Betriebe auch in der Berufsausbildung stark auf die Vermittlung digitalen Know-hows.

Die Corona-Pandemie hat das Thema Digitalisierung in den Unternehmen noch stärker als zuvor in den Fokus gerückt, vor allem mit Blick auf die Kommunikationswege. Schon seit Längerem zeigt der Trend in Richtung digitale Vernetzung und autonome Fertigung – in der „Industrie 4.0“, aber auch in den Dienstleistungsunternehmen.

Um diesen beschleunigten Wandel der Arbeitswelt bewältigen zu können, sind die Unternehmen auf Mitarbeiter mit entsprechenden Kompetenzen angewiesen. Dies zeigt eine Befragung von knapp 800 ausbildenden Unternehmen durch diemIW Consult im Rahmen des Projekts „Netzwerk Q 4.0“ (Grafik):

Rund 86 Prozent der Unternehmen halten es für wichtig, dass ihre Fachkräfte berufs- oder fachspezifische Software anwenden können.

Die große Mehrheit der Betriebe hält zudem die Fähigkeit, mit Kollegen und Kunden digital kommunizieren zu können, für besonders relevant. Auch die Recherche und Bewertung von im Internet verfügbaren Informationen sowie die kompetente Verwendung digitaler Lernmedien zählen zu den als wichtig erachteten Kompetenzen.

Angesichts der immer weiteren Verbreitung digitaler Technologien kümmern sich die Unternehmen auch darum, ihre Auszubildenden mit dem erforderlichen Know-how auszurüsten. Die Firmen geben dabei im Wesentlichen denselben Kompetenzen Priorität, die sie auch bei ihren Fachkräften als vorrangig erachten:

Die Fähigkeit, berufs- oder fachbezogene Software anwenden zu können, ist der wichtigste digitale Ausbildungsinhalt – 79 Prozent der Unternehmen vermitteln diesen intensiv oder sehr intensiv.

Digitale Kommunikation ist weiterer Schwerpunkt

Die digitale Kommunikation rangiert auch bei den Ausbildungsprioritäten der Betriebe auf Platz zwei. Grundlegende Programmierkenntnisse finden sich dagegen am Ende der Rangliste – solche Fähigkeiten erwartet aber auch nur ein Fünftel der Unternehmen von ihren Fachkräften.

Kleinere Unterschiede zwischen der Relevanz bestimmter Kompetenzen für die Mitarbeiter und ihrer Berücksichtigung in der Ausbildung gibt es zum einen beim Thema Datenschutz und Datensicherheit. Es liegt in der Rangliste der digitalen Ausbildungsinhalte auf Position drei, bei der Relevanz für Fachkräfte dagegen auf Platz fünf. Möglicherweise spiegelt sich darin wider, dass die Unternehmen dieser Kompetenz eine wachsende Bedeutung beimessen. Ein Grund dürfte aber auch sein, dass die Auseinandersetzung mit dem Datenschutz in vielen Ausbildungsordnungen verankert ist.

Zum anderen wird die Fähigkeit, im Internet recherchieren und die Ergebnisse kompetent einordnen zu können, von den Unternehmen als relevanter erachtet, als es die Vermittlung in der Ausbildung nahelegt. Dies könnte daran liegen, dass die Betriebe bei diesem Thema eher die Berufsschulen in der Pflicht sehen.

Im Ausbildungsalltag vermitteln die Unternehmen bereits viele digitale Kompetenzen. Mit Blick auf die weitere Digitalisierung der Wirtschaft müssen sich die Firmen jedoch auch darum kümmern, das Thema in der Ausbildung strategisch voranzutreiben, also gezielt zu überlegen, welche Inhalte in welcher Form künftig vermittelt werden sollten. Dies geschieht erfreulicherweise immer häufiger: Aktuell haben sich bereits 36 Prozent der Unternehmen auf strategischer Ebene damit beschäftigt, wie die Ausbildung angesichts der Digitalisierung der Wirtschaft künftig aussehen sollte – im Jahr 2017 taten dies erst knapp 28 Prozent.

Eine Schlüsselrolle für die weitere Digitalisierung in der Berufsausbildung spielen die betrieblichen Ausbilder. Das Projekt „Netzwerk Q 4.0“ (netzwerkq40.de) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung stellt deshalb branchen- und regionalspezifische Qualifizierungsangebote für Ausbilder bereit, um sie auf die neuen digitalen Anforderungen vorzubereiten.

Quelle: iwd