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Schichtmodelle effizient entwickeln

M. Sc. Wirtschaftsingenieur Pascal Böhm

Vor dem Start der Schichtmodellentwicklung sollten Sie die nötige Besetzungsstärke und Bruttobetriebszeit kennen. Die Schichten in ihrer Art und Anzahl decken dabei die Bruttobetriebszeit ab.

Ergonomische Schichtmodelle stellen den Mitarbeiter in den Vordergrund und legen den Fokus auf eine schnelle Rotation zwischen den einzelnen Schichten. Somit bleiben auch die oft als kritisch empfundenen Nacht-schichtblöcke kurz.

Zuerst analysieren Sie, in welchen Belangen das jetzige System verbessert werden soll oder gar muss. Direkt zu Beginn sind die wichtigen Rahmenbedingungen für Ihr zukünftiges Schichtmodell festzulegen:
• Welche Bruttobetriebszeit (Kapazitätsbedarf) ist für die Herstellung der Produktionsmenge erforderlich?
• Welche (Mindest-)Besetzungsstärke ist je Schicht nötig und sind Abweichungen davon an bestimmten Tagen oder Schichten möglich?
• An welchen Tagen und zu welchen Schichten (F = Früh-, S = Spät-, N = Nachtschicht) soll produziert werden?
• Wie sind die Schicht-, Pausen- und Übergabezeiten?

Nachdem Sie Ihre Rahmenbedingungen abgesteckt haben, können Sie mit der Modellentwicklung starten. Hierbei sollten Sie die wissenschaftlichen Empfehlungen für eine ergonomische Schichtplangestaltung beachten:
• Möglichst nicht mehr als drei Nachtschichten hintereinander einplanen
• Schnelle Schichtrotation anstreben, um Schlaf-defiziten vorzubeugen und soziale Kontakte zu er-möglichen
• Ausreichend Ruhezeiten zwischen den Einsätzen gewährleisten (11 Stunden nach §5 ArbZG und nach wissenschaftlicher Empfehlung mindestens 24, besser 48 Stunden nach einem Nachtschichtblock)
• Vorwärtsrotation wählen (z.B. FFSSNN--), dient als ideales Grundmuster zur Wahrung der Ruhezeiten
• Arbeitstage und Schichtblöcke nicht zu lang ge-stalten, um einen ausgewogenen Mix zwischen Arbeits- und Freizeit zu gewährleisten
• Wochenendfreizeiten optimieren
• Günstige Schichtfolgen einhalten, einzelne Arbeits-tage “-S-“ oder ungünstige Folgen wie “N-N” vermeiden

Zur Verwirklichung dieser Empfehlungen sollten Sie mehr Schichtgruppen als Schichtarten installieren. So sind bei den üblichen drei Schichtarten (F, S und N) häufig vier Schichtgruppen erforderlich. Mit weiteren Untergruppen lässt sich eine feinere Steuerung der Besetzungsstärken, der wöchentlichen Arbeits- sowie Betriebszeit realisieren.
Sofern Sie aufgrund der Bruttobetriebszeit auch am Sonntag arbeiten müssen, vergessen Sie nicht sich dies im Voraus von entsprechender Stelle genehmigen zu lassen. Darüber hinaus sind die Regelungen des ArbZG, JArbSchG und die Mitbestimmungsrechte des Betriebs-rates zu beachten.

I.d.R. werden sich mehrere Schichtmodelle als Lösungs-alternative darstellen lassen, alle Varianten sollten Sie anhand verschiedener Kriterien (z.B. Wochenarbeits-zeit, Ergonomie, Kosten, Anwendbarkeit) zusammen mit ihrem Betriebsrat bewerten, um das “optimale” Schicht-modell finden.

Sobald Sie gemeinsam ein passende Variante ausgewählt haben, empfiehlt sich eine Testphase von ca. einem Jahr. So haben die Mitarbeiter ausreichend Eingewöhnungszeit und können sich mit dem neuen Modell vertraut machen, um Ihnen ein aussagekräftiges Feedback zu geben. Vor Ablauf der Testphase findet eine erneute Abstimmung zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat statt, bei dem die finale Umsetzung oder über eine Änderung des Modelles entschieden wird.