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Nachwuchsförderung trotz Corona-Krise

Die Corona-Krise hat die deutsche M+E-Industrie fest im Griff. Die meisten Betriebe sind in ihrer Produktion eingeschränkt, viele müssen ihre Beschäftigten in Kurzarbeit schicken. Dennoch wollen zwei Drittel der Unternehmen am Umfang ihrer Ausbildung für das neue Ausbildungsjahr festhalten.
Auch wenn das Infektionsgeschehen in Europa zuletzt rückläufig war, führt die Corona-Pandemie in der Industrie weiter zu massiven Problemen. In der Metall- und Elektro-Industrie können immer noch fast 90 Prozent der Unternehmen nicht komplett störungsfrei produzieren, wie eine Befragung des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall unter seinen Mitgliedern Mitte Juni zeigt:

In 46 Prozent der M+E-Betriebe ist die Produktion weiterhin stark oder sehr stark eingeschränkt.

Besonders betroffen ist die Automobilindustrie, wo knapp drei Viertel der Unternehmen noch große Schwierigkeiten haben, die Produktion wieder hochzufahren. Insgesamt liegt die Auslastung der Produktionsanlagen in der M+E-Industrie mit 66 Prozent nach wie vor unter dem Wert zur Zeit der Finanzkrise 2009.

Dass sich an der Situation schnell etwas ändert, glauben die wenigsten M+E-Unternehmen. Nur ein Fünftel erwartet, bis Ende 2020 in der Produktion den Stand von vor der Corona-Krise zu erreichen. Fast die Hälfte mag sogar keine Prognose aufgrund der unsicheren Lage abgeben.

Die M+E-Unternehmen trifft vor allem der Rückgang der Nachfrage hart. Am stärksten spüren die Betriebe dies im Inland: 75 Prozent berichten von deutlich gesunkenen Absatzzahlen in Deutschland. Ebenfalls schwierig gestalten sich die Geschäfte für die M+E-Industrie derzeit in Westeuropa.

All das führt dazu, dass viele Betriebe nicht genügend Arbeit für ihre Beschäftigten haben und entsprechend kurzfristig andere Wege gehen müssen (Grafik 1).

Zwei Drittel der M+E-Unternehmen in Deutschland nutzen aktuell Kurzarbeit, weitere 9 Prozent planen dies.

Betroffen sind in diesen Betrieben gut 60 Prozent der Beschäftigten. Im Durchschnitt arbeiten sie knapp 50 Prozent weniger als vertraglich festgelegt.
Durch die Kurzarbeit konnten viele Unternehmen ihre Mitarbeiter auch in der Krise weiterbeschäftigen. Die Zahl der Personen, die aus einer Beschäftigung heraus arbeitslos wurden, war im Juni 2020 fast so niedrig wie im Vorjahresmonat. Auch mit Blick auf die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen in anderen Industriestaaten erweist sich das Instrument als sinnvoll und zielführend. Dennoch werden viele Unternehmen, je länger die Krise dauert, nicht um einen Personalabbau herumkommen. Bereits heute gehen 40 Prozent der M+E-Betriebe davon aus, die Zahl der Beschäftigten in den kommenden drei Monaten verringern zu müssen, nur 6 Prozent wollen Personal aufbauen.

Augenmerk auf betriebliche Ausbildung
Auch wenn die Gesamtsituation schwierig ist, legen die M+E-Unternehmen weiter ein starkes Augenmerk auf die betriebliche Ausbildung. So hat sich die Corona-Krise in 92 Prozent der Unternehmen nicht auf bestehende Ausbildungsverhältnisse ausgewirkt. Nur in 3 Prozent der Betriebe mussten die Azubis in Kurzarbeit und lediglich 2 Prozent der Unternehmen haben Ausbildungsverhältnisse vorzeitig beendet.

Die Übernahme der Azubis ist zwar noch nicht überall gesichert. Doch immerhin 43 Prozent der befragten Unternehmen wollen in diesem Jahr alle fertig Ausgebildeten weiter beschäftigten, 26 Prozent übernehmen zumindest einen Teil der Azubis.

In knapp einem Viertel der Unternehmen ist noch nicht entschieden, wie es mit den Ausbildungsabsolventen weitergeht. Maßgeblich dafür wird die wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden Wochen sein. Sollten sich die Aussichten für die M+E-Industrie verbessern, werden wahrscheinlich weitere Betriebe ihre Azubis übernehmen – schließlich gibt es noch immer in zahlreichen Berufen einen Fachkräftemangel.

Entsprechend wollen viele Unternehmen trotz der ungewissen Zukunft weiter ausbilden (Grafik 2).

65 Prozent der M+E-Betriebe werden für das Ausbildungsjahr 2021/22 genauso viele Ausbildungsplätze anbieten wie in den Jahren zuvor.
Weitere 3 Prozent wollen ihr Angebot sogar ausbauen. Ein Drittel der Betriebe muss die Zahl der Azubistellen dagegen voraussichtlich zurückfahren.

(Quelle: iwd)