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Mobiles Arbeiten: Sinn und Verstand statt Zwang

Wer bisher dachte, Homeoffice oder mobiles Arbeiten seien in Deutschland nicht ohne Weiteres umsetzbar, wurde eines besseren belehrt: Die mobile Arbeit hat vielen Unternehmen in der Krise geholfen, Ihre Produktivität soweit wie möglich aufrecht zu erhalten. Es gibt jedoch noch einige offene Punkte zu klären. Das Thema Führung ist bereits im Alltag kein leichtes. In Verbindung mit Home Office wird es zu einer noch größeren Herausforderung. Die Führung über Distanzen erfordert klare Regeln aller Beteiligten. Oberstes Ziel muss es daher ein, das Unternehmen und Belegschaft aus den gesammelten Erfahrungen lernen und betriebsspezifische Lösungen finden: Die Funktionalität des jeweiligen Betriebs muss stets die höchste Priorität sein.

vem. die arbeitgeber steht einem generellen Anspruch auf Mobiles Arbeiten aus verschiedenen Gründen ablehnend gegenüber: Zum einen seien viele Fragen, u.a. aus den Bereichen des Arbeitsschutzes, des Arbeitszeitrechts und des (Unfall-)Versicherungsschutzes, ungeklärt und teils so veraltet, dass diese nicht mehr zur Lebenswirklichkeit passen. Zum anderen sei auch die Sinnhaftigkeit eines generellen Rechtsanspruchs sehr fraglich. Montage- und Servicearbeiten ließen sich beispielsweise ebenso wenig aus dem Homeoffice heraus realisieren wie das Rüsten von Maschinen. „Vor allem aber orientieren sich bisherige Modelle zu stark am klassischen Arbeitsmodell mit festem Schichtplan und Arbeitsort im Betrieb“, findet Thorsten Bröcker, Hauptgeschäftsführer des vem. „Flexibles Arbeiten im Homeoffice ist mit althergebrachten Ruhezeiten und einem starren Arbeitszeitkorsett kaum sinnvoll umsetzbar. Kürzere Ruhezeiten und eine wöchentliche Höchstarbeitszeit bieten beispielsweise auch Arbeitnehmern mehr Flexibilität. Gerade Familien mit Kindern und Alleinerziehenden würde dies die Kinderbetreuung erleichtern und sie trotzdem gleichberechtigt am Berufsleben teilhaben lassen.“ Letztlich sollen Home Office und mobiles Arbeiten individuelle, flexible Lösungen ermöglichen. „Eine Gesetzesvorgabe nimmt sowohl Unternehmen als auch Arbeitnehmern genau diese Flexibilität und führt das System ad absurdum“, folgert Bröcker. „Mobiles Arbeiten funktioniert in vielen Bereichen besser als wir vor der Corona-Krise dachten. Aber eben längst nicht in allen. So sei der persönliche Austausch mit dem Chef und den Kollegen durch Telefon- und Videokonferenzen nicht völlig zu ersetzen. Und längst nicht jeder Arbeitnehmer ist in der Einsamkeit des heimischen Arbeitszimmers auch glücklich. Daher kann ein rechtlicher Anspruch auf Home Office keine Lösung sein. Mobiles Arbeiten – ja! Aber doch bitte mit Sinn und Verstand.“