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Mit digitalen Prozessen zum digitalen Unternehmen

M. Sc. Wirtschaftsingenieur Pascal Böhm

Der Weg zum digitalen Unternehmen ist für Betriebe interessant, die bereits einige Optimierungspotentiale (z.B. Lean-Management, …) genutzt und damit entsprechende Standards geschaffen haben.  Die folgenden Beispiele sollen Ihnen einen Überblick der Digitalisierung in verschiedenen Unternehmensbereichen geben.

Bevor Sie mit der Digitalisierung Ihres Unternehmens starten, sollten Sie zunächst so viele Prozesse wie möglich standardisiert haben. Denn es ist wirtschaftlich nicht sinnvoll, jeden noch so kleinen Prozess zu digitalisieren. Prüfen Sie, an welcher Stelle Sie den größten Nutzen aus der Digitalisierung ziehen. In der Regel lohnt die Kundenperspektive, da sich hier u.a. die Lieferzeiten reduzieren oder das Serviceangebot ausbauen lassen. Um den gewünschten Nutzen zu stiften, benötigen Sie begeisterte und qualifizierte Mitarbeiter. Auch Partnerschaften und Kooperationen zu IT-Anbietern können sinnvoll sein, da diese meist die benötigte Erfahrung mitbringen.

Digitalisierung ist in jedem Unternehmensbereich möglich, z.B.:

  • Intralogistik und Lager
  • Produktion
  • Vertrieb und After Sales
  • Verwaltung
  • Produktentwicklung

An Transportgüter geknüpfte digitale Informationen, wie der aktuelle Bearbeitungsstatus oder die nächste Bearbeitungsstation, helfen der Intralogistik die entsprechenden Prozesse zu straffen und zum Teil unnötige Transportwege einzusparen. Jederzeitige Lokalisierbarkeit der Güter verringert oder vermeidet Suchzeiten.

In der Produktion prägen drei wesentliche Begriffe die digitale Transformation: Cyber-physische Systeme, Robotik und additive Fertigungsverfahren.  Cyber-physische Systeme, sprich vernetzte Anlagen, Maschinen, Bauteile und Behälter, kommunizieren untereinander und steuern so selbständig die Aufträge durch die Produktion.  Roboter arbeiten eigenständig oder kollaborieren gemeinsam mit dem Menschen. Aktuell wird an Robotertechnik geforscht, die flexibel an verschiedenen Stellen einsetzbar ist und so erkrankte Mitarbeiter flexibel ersetzen kann.

Der dritte Begriff umfasst die additiven Fertigungsverfahren von Kunststoffen, Metallen und Baumaterialien, auch als 3D-Druck bekannt. Aufgrund der Bandbreite an Materialien ist dieses Verfahren für die Ersatzteilfertigung sehr interessant. Um die Potentiale des 3D-Drucks aufzuzeigen eignet sich folgender Exkurs: Anfang 2020 wurde in Dubai das erste Haus mit Hilfe des 3D-Drucks erstellt. Die Bauzeit betrug 17 Tage und wurde mit nur 3 Arbeitern verwirklicht. Durch die kurze Bauzeit und den geringen Personaleinsatz ließ sich das Projekt im Vergleich zum konventionellen Hausbau sehr kostengünstig realisieren.

Der Kundenwunsch nach individuellen Produkten oder kleineren Losgrößen bis hin zu Losgröße 1 ist für die meisten Vertriebsmitarbeiter nichts Neues. Digitale Unterstützung bieten hier Online-Konfiguratoren. Nicht nur große Firmen wie Automobilhersteller bieten dies an, auch unter Kleiderschrank-, Fotobuch-, Schaltschrank- und Müsli-Anbietern ist diese Form der Digitalisierung bereits gelebte Praxis. Idealerweise besteht hierbei eine digitale Verknüpfung zur Auftragsabwicklung und Produktionsplanung, sodass der Prozess verlustarm in puncto Zeit und Informationsgehalt durchs Unternehmen voranschreitet.  Im After Sales bietet sich durch den Einsatz von Augmented Reality die Möglichkeit der Fernassistenzunterstützung. So können Arbeiter ohne Spezialwissen Wartungs- oder Reparaturarbeiten durchführen, da sie mittels Datenbrille ihr Sichtfeld an einen Spezialisten übertragen und somit weltweit online geführt werden können.

In der Verwaltung beschleunigen Onlineformulare mit Schnittstellenanbindung und Auslesemöglichkeit die Arbeit. Cloud basierte Office Systeme eröffnen eine orts- und hardwareunabhängige Zugangsmöglichkeit für Mitarbeiter. Zusätzlich können mehrere Mitarbeiter gleichzeitig an derselben Datei arbeiten.

Digitale Zwillinge und Simulationen helfen bei der Produktentwicklung, Kosten für aufwendige Experimente und sogar den Bau von Prototypen einzusparen. So reduzieren Automobilhersteller und -zulieferer mittels Simulationen eine große Anzahl an Test-km. Neben dem ökologischen Vorteil lassen sich so auch Material- und Mitarbeiterkosten minimieren.

Haben Sie Fragen zu diesen Themenbereichen, möchten selbst Teile davon umsetzen oder wünschen weitere Anwendungsbeispiele? Dann stehen meine Kollegen der Arbeitswissenschaft und ich Ihnen gerne zur Verfügung.