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Metall- und Elektro­in­dustrie kämpft mit Nachfra­ge­ein­bruch

 

Metall- und Elektroindustrie kämpft mit Nachfrageeinbruch
Bereits 43 Prozent aller M+E-Unternehmen nutzen Kurzarbeit, weitere 40 Prozent planen kurzfristig Kurzarbeit

Eine repräsentative Blitzumfrage des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall unter den Mitgliedsunternehmen der Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektroindustrie zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie verdeutlicht das wirtschaftliche Ausmaß der Krise: 83 Prozent aller befragten Unternehmen melden Einschränkungen der Produktion, fast ein Drittel (30,9 Prozent) sogar sehr starke oder starke Einschränkungen.

Als Gründe nennen 57 Prozent die fehlende Nachfrage, 36 Prozent fehlende Arbeits­kräfte etwa durch Krankheit und fehlende Kinder­be­treuung und 32 Prozent fehlende Teile oder Material. In der Folge nutzen heute bereits 42,7 Prozent der Unter­nehmen Kurzarbeit. In diesen Unter­nehmen sind durch­schnittlich 70,9 Prozent der Beschäf­tigten in Kurzarbeit. Damit waren nach Berech­nungen von Gesamt­metall Anfang April 2020 etwa 1,2 Millionen Beschäf­tigte – von insgesamt vier Millionen Beschäf­tigten – der M+E-Industrie bereits in Kurzarbeit.

In den kommenden vier Wochen planen weitere 39,7 Prozent der Unter­nehmen Kurzarbeit anzumelden. Damit könnte sich die Zahl der Kurzar­beiter in der M+E-Industrie noch einmal um knapp eine Million erhöhen. Zudem mussten sieben Prozent der Unter­nehmen bereits Stellen abbauen. Zum Vergleich: In der Krise 2008/2009 gab es in der M+E-Industrie bei rund 3,57 Millionen Beschäf­tigten beim Höchst­stand im April 2009 rund 950.000 Kurzar­beiter (27 Prozent aller M+E-Beschäf­tigten).

„Die Ergeb­nisse der Umfrage belegen, wie ernst die Lage ist“, betont Gesamt­metall-Präsident Dr. Rainer Dulger. „Während Umsätze und Erträge fehlen, laufen die Kosten weiter und zehren die Liqui­dität der Unter­nehmen rasant auf. Kurzarbeit lindert zwar die Not, aber die Unter­aus­lastung der Unter­nehmen ist sehr bedrohlich.“ Umso wichtiger sei es weiterhin, die Liqui­dität der Unter­nehmen zu sichern. „Je länger die Liqui­di­täts­re­serven reichen, desto mehr Arbeitsplätze können wir durch die Krise retten. Jeder Unter­nehmer will das: Aber auf Dauer hilft nur, wenn die Lage rasch besser wird.“

Dulger weiter: „Diese Situation lässt sich nicht unbegrenzt durch­halten. Unter­nehmen und ihre Mitar­beiter brauchen eine Perspektive, wann sie wieder schritt­weise in die Ausweitung der Produktion einsteigen können. Dazu ist es aufgrund der europäi­schen und inter­na­tio­nalen Liefer­ketten notwendig, soweit wie möglich auf europäi­scher und inter­na­tio­naler Ebene koordi­niert vorzu­gehen. Aber selbst wenn die Politik in dieser Woche das Ende des Shutdowns und zumindest einzelne Schritte dafür ankün­digen sollte, wird es in der Industrie etwas Zeit brauchen, bis abgerissene Liefer­ketten wieder aufgebaut oder ersetzt sind. Und natürlich wird nur produ­ziert, wenn die Mitar­beiter verfügbar sind und auch die Nachfrage wieder anzieht.“

Derzeit stemmten sich die Unter­nehmen vor allem noch mit Kurzarbeit, flexibler Arbeitszeit und tarif­po­li­ti­schen Instru­menten gegen die Krise. „Ein unver­zicht­barer weiterer Baustein ist, dass die im März oder April gestun­deten Sozial­ver­si­che­rungs­bei­träge erst im nächsten Jahr nachge­zahlt werden müssen. Die aktuell vorge­sehene Rückzahlung am 27. Mai 2020 trägt der Lage der Unter­nehmen nicht Rechnung. Und insol­vente Unter­nehmen und Arbeitslose erwirt­schaften und zahlen überhaupt keine Sozial­ver­si­che­rungs­bei­träge“, so Dulger abschließend.

Die Umfrage zeige deutlich, dass die von der Politik angebo­tenen Kredit- und Hilfs­pro­gramme bei vielen Unter­nehmen als nächster Schritt bei der Bewäl­tigung der Krise geplant seien. An der Umfrage haben im Zeitraum von 2. bis 7. April 2020 1.431 Unter­nehmen der Metall- und Elektro­in­dustrie mit 858.692 Beschäf­tigten teilge­nommen. Das sind 20 Prozent aller in den Mitglieds­ver­bänden von Gesamt­metall organi­sierten Unter­nehmen mit 35 Prozent aller Beschäf­tigten in den Mitglieds­un­ter­nehmen bzw. 21,5 Prozent aller Beschäf­tigten in der M+E-Industrie insgesamt.  

Mehr Grafiken können Sie auf der Website von Gesamtmetall einsehen.