Gemacht für morgen

Konstruktion der Extreme - Koblenzer „Dach“ schützt Tschernobyl-Reaktor

Celina Bermel

Im April jährte sich das Reaktorunglück von Tschernobyl zum 35. Mal. Nachdem der alte Sarkophag aus Beton der Belastung nicht standhielt, schirmt die neue Schutzhülle den havarierten Reaktor in Tschernobyl ab – eine bisher einzigartige Mammutaufgabe, die unter anderem von dem Koblenzer Unternehmen Kalzip entwickelt und umgesetzt wurde.

Herausforderungen sind für das Unternehmen Kalzip nichts Neues, denn die Einsatzgebiete erfordern häufig individuelle Lösungen. Besondere Technologien und Konstruktionen aus den Spezial-Projekten adaptiert man erfolgreich in die Serienproduktion und macht sie dort zum marktreifen Standard. Deshalb hat das Unternehmen auf die meisten Anforderungen mit ausgereiften Produktsystemen die passenden Antworten. Das nicht zuletzt auch auf Basis einer eigenen Maschinenfertigung, in der für den Produktionsprozess selbst entwickelt und produziert wird.

Natürlich sind die Zahlen und Fakten rund um die neue Schutzhülle von Tschernobyl beeindruckend und lassen erkennen, welche technologische Höchstleistung von allen Beteiligten notwendig war, um das bis dato »größte mobile Bauwerk der Welt« zu realisieren. Das Dach hat eine Spannweite von 257 Metern, einer Länge von 162 Metern und einer Höhe von 108 Metern.

Aber dieses Projekt forderte auch auf ganz andere Art und Weise. Allem voran natürlich die Skepsis gegenüber der Strahlenbelastung auf der Baustelle. Schließlich fanden die Montagearbeiten in unmittelbarer Nähe des Reaktors statt. Bedenken, die das Unternehmen Kalzip durch größte Schutzmaßnahmen und Aufklärungsarbeit weitgehend beilegen konnten. Aber auch die äußerst aufwendige Koordination vor Ort war neu. Als Teamplayer war man sich der großen Verantwortung in diesem internationalen Projekt bewusst.

In Summe erhält auch das Thema Nachhaltigkeit hier eine völlig andere Dimension. Während die ökologische Perspektive von unseren Auftraggebern üblicherweise auf Materialparameter, Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit fokussiert, spielen im Tschernobyl-Projekt plötzlich auch Fertigungsqualität, Langlebigkeit und Stabilität eine Rolle – 100 Jahre Schutz durch die neue Außenhülle ist das Ziel.

Kalzip erinnert sich - 35 Jahre Chernobyl