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IW-Konjunkturprognose: Wirtschaft erholt sich langsam

Nachdem die Corona-Pandemie die deutsche Wirtschaft im Frühjahr abstürzen ließ, mehren sich inzwischen die Anzeichen einer Erholung. Im Jahr 2020 wird das Bruttoinlandsprodukt unterm Strich zwar um mehr als 6 Prozent zurückgehen. Doch bis zum Jahresende 2021 könnte das Vorkrisenniveau wieder erreicht werden.

Die Corona-Pandemie hat sich in den vergangenen Monaten nicht nur medizinisch, sondern auch gesellschaftlich und ökonomisch zu einer immensen globalen Herausforderung entwickelt. Die durch Ausgangssperren, Betriebsschließungen und Reisebeschränkungen verursachten Produktionseinbußen und Unterbrechungen der Lieferketten führten dazu, dass die Wirtschaftsleistung in Deutschland so stark einbrach wie nie zuvor in den vergangenen siebzig Jahren:

Das reale Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im zweiten Quartal 2020 gegenüber dem Vorquartal um 9,7 Prozent – im Vorjahresvergleich betrug der Rückgang sogar 11,3 Prozent.

Am härtesten traf es die Industrie, deren Bruttowertschöpfung im zweiten Quartal 2020 rund 20 Prozent niedriger war als ein Jahr zuvor. Der Dienstleistungssektor verzeichnete insgesamt eine um 9 Prozent gesunkene Wertschöpfung, wobei die Unterschiede zwischen den einzelnen Sparten groß waren: Während der Finanzbereich sein Vorjahresniveau fast halten konnte, belief sich das Minus bei den Sonstigen Dienstleistern, zu denen unter anderem der Kultursektor gehört, auf nahezu 20 Prozent.

Krisen im Vergleich

Wie heftig die Wirtschaft durch Corona gebeutelt wurde, zeigt sich auch, wenn man die aktuellen Einbußen mit den Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008/2009 vergleicht (Grafik):

Der private Konsum verringerte sich coronabedingt zwischen dem ersten und dem zweiten Quartal 2020 um fast 11 Prozent – 2009 betrug der Rückgang maximal 1 Prozent.

Inzwischen sind viele wirtschaftliche und gesellschaftliche Beschränkungen gelockert worden, sodass sich die Wirtschaft erholen kann – was auch für wichtige Handelspartner Deutschlands gilt.

Zwar bleibt die weitere Entwicklung der Pandemie – gerade mit Blick auf das kommende Winterhalbjahr – ungewiss. Zudem sind Handelskonflikte wie jener zwischen der EU und den USA ungelöst. Dennoch spricht vieles dafür, dass die deutsche Wirtschaft, gestützt auch durch die staatlichen Konjunkturmaßnahmen, auf den Wachstumspfad zurückkehrt (Grafik):

Nach einem Rückgang um knapp 6 ¼ Prozent in diesem Jahr wird das reale Bruttoinlandsprodukt 2021 um annähernd 4 ½ Prozent zulegen.

Gegen Ende kommenden Jahres dürfte dann das gesamtwirtschaftliche Vorkrisenniveau wieder erreicht werden. Positive Einflüsse wie die baldige Verfügbarkeit eines Impfstoffs könnten diesen Trend stützen und verstärken.

Viele Indikatoren stabilisieren sich

Weitere Ergebnisse der IW-Konjunkturprognose im Einzelnen:

  1. Konsum. Im laufenden Jahr wird der private Konsum um 6 ½ Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen, wobei die Steuer- und Transferpolitik dazu beiträgt, dass es im dritten und vierten Quartal eine deutliche Aufwärtsbewegung gibt. Für 2021 ist dann ein Plus von 4 Prozent zu erwarten, sofern sich der Arbeitsmarkt wie erwartet stabilisiert.
  2. Investitionen. Der starke wirtschaftliche Abschwung reißt die Investitionen in Ausrüstungen wie Maschinen und Produktionsanlagen in diesem Jahr um 20 Prozent nach unten. Aber auch hier geht es in der zweiten Jahreshälfte wieder nach oben. Stabilisiert sich die Weltwirtschaft und ist die Unternehmensfinanzierung gesichert, steht für das kommende Jahr ein Zuwachs von mehr als 12 Prozent in Aussicht.

Auf die Bauinvestitionen wirkt sich die Pandemie zwar ebenfalls aus – nicht zuletzt, weil die Arbeitsmarkt- und Einkommensentwicklung die Unternehmen und privaten Haushalte verunsichert. Gleichwohl reicht es in diesem und im nächsten Jahr für ein Wachstum von 2 beziehungsweise 1 ½ Prozent.

  1. Außenhandel. Weil zu erwarten ist, dass die Weltwirtschaft wieder Fahrt aufnimmt, verbessern sich auch die deutschen Exportperspektiven rasch. Deshalb ist im Jahr 2021 wieder ein reales Wachstum der Ausfuhren von 9 ½ Prozent drin. Ein noch stärkerer Anstieg wird dadurch verhindert, dass die Investitionsprozesse weltweit nur zögerlich in Gang kommen.
  2. Arbeitsmarkt. Die Corona-Krise trifft auch den deutschen Arbeitsmarkt weitaus heftiger als die Finanz- und Wirtschaftskrise 2009. Zwar verhindert die breite Nutzung der Kurzarbeit, dass die Unternehmen allzu viele Mitarbeiter entlassen müssen. Dennoch sinkt die Zahl der Erwerbstätigen 2020 um rund 350.000 beziehungsweise rund ¾ Prozent. Und weil es zurzeit nur wenigen Arbeitsuchenden gelingt, einen neuen Job zu finden, werden im Jahresdurchschnitt 500.000 Arbeitslose mehr verzeichnet als 2019.

Im kommenden Jahr führt die konjunkturelle Belebung zwar auch wieder zu einer besseren Arbeitsmarktlage. Doch der Anstieg der Erwerbstätigenzahl wird mit 0,1 Prozent gering ausfallen – nicht zuletzt, weil die Betriebe zunächst wieder die Arbeitszeit der vorhandenen Mitarbeiter ausweiten, statt neues Personal einzustellen. Folglich wird auch die Zahl der Arbeitslosen vorerst nur leicht zurückgehen.

Quelle: iwd