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Homeoffice – gekommen, um zu bleiben?

Celina Bermel

Ein Thema mit dem sich der Unternehmerverband vem.die arbeitgeber e.V. intensiv beschäftigt. Was bleibt vom Homeoffice nach Corona? Ist es gekommen, um zu bleiben oder verschwindet es nach der Pandemie so schnell wie es gekommen ist? Eine Einschätzung.

In wenigen Wochen werden wir die Pandemie vermutlich (hoffentlich!) soweit im Griff haben, dass Homeoffice und mobiles Arbeiten, rein aus Gründen des Infektionsschutzes, nicht länger gefordert sind. Eine Rückkehr zum „alten Normal“ der weitestgehenden Arbeit im Büro wird es trotzdem nicht geben. Trotz der Gefahr von „Zoom-Fatigue“, der akuten oder chronischen Ermüdung durch zu viele Online-Meetings: Viele Beschäftigte und auch Unternehmen haben die Vorteile des Homeoffice für sich erkannt.

„Die Arbeitsform der Zukunft, das „new normal“, wird zumindest für die meisten Bürotätigkeiten hybrides Arbeiten sein, also eine Mischform aus Präsenzarbeit und Arbeiten von zu Hause aus. Damit entstehen neue Herausforderungen, die sich selbst bei der pandemiebedingten, überwiegend virtuellen Zusammenarbeit bisher noch nicht gezeigt haben“
prognostiziert Rainer Schleidt, verantwortlich für die Arbeitswissenschaft und Bildung beim vem.die arbeitgeber e.V.

Ein Beispiel: Menschen werden bald wieder ohne Maske und Sicherheitsabstand in einem Raum zusammenarbeiten und diskutieren können, während andere Teammitglieder über Video zugeschaltet sind. Das kann in der Kommunikation zu Problemen führen. „Kommunikation spielt sich stets auf zwei Ebenen ab, der Sach- und der Beziehungsebene.
Letztere hat für eine erfolgreiche Zusammenarbeit in der Regel eine deutlich höhere Bedeutung, als Sachthemen oder vereinbarte Ziele. Die Beziehung wird maßgeblich durch Körpersprache, wie Gestik und Mimik bestimmt. Auch der Tonfall spielt im Gespräch eine große Rolle. Da die Gruppe der virtuell zugeschalteten Teammitglieder in Bezug auf diese Wahrnehmungen zwangsläufig stark benachteiligt ist, können schnell unterschiedliche Qualitäten der Zusammenarbeit sowie Missverständnisse zwischen beiden Gruppen entstehen“, erläutert Rainer Schleidt. Insbesondere Führungskräfte, Besprechungsleiterinnen und Moderatoren sind dann gefordert, dies zu erkennen und das gegenseitige Verständnis der Beteiligten durch gezielte Interventionen während der Besprechung zu fördern. Dies geht beispielsweise durch Techniken wie aktives Zuhören, sinngleiches Wiederholen von Aussagen mit anderen Worten oder gezieltes Nachfragen. Dies will jedoch gelernt sein und erfordert ein hohes Einfühlungsvermögen für die Erwartungen und die akuten Bedürfnisse der Besprechungsteilnehmer. „Wir merken, dass bei unseren Mitgliedsunternehmen das Thema virtuelle Führung Fragen aufwirft. Im letzten Jahr mussten sich alle von heute auf morgen umstellen, mittlerweile sind virtuelle Meetings zur Routine geworden. Trotzdem wollen Führungskräfte auch auf die Ferne gut führen und ihr Team zusammenhalten“, so Schleidt weiter.

"Das Thema Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben. Die Arbeitswelt befindet sich immer noch im Wandel und wir werden nicht vollständig zur alten Arbeitsweise zurückkehren. Es ist wichtig, dass sich die Unternehmen damit auseinandersetzen, langfristige Lösungen finden oder einen Partner an ihrer Seite haben, der bei der Umsetzung mit anpackt. Virtuelles Führen bringt viele Herausforderungen mit sich, aber sie sind zu meistern“, so Schleidt.

Der vem.die arbeitgeber beschäftigt sich, ähnlich wie andere Vordenker, mit der Arbeitswelt der Zukunft und macht seinen Mitgliedsunternehmen entsprechende Angebote zum Erfahrungsaustausch sowie zur Personal- und Organisationsentwicklung. „Vor wenigen Wochen haben wir ein neues Projekt ins Leben gerufen, bei dem wir uns intensiv mit den neuen Arbeitsmodellen beschäftigten und wie sie gelingen können“ so Schleidt abschließend.

Weitere Informationen zum Unternehmerverband vem.die arbeitgeber e.V. finden Sie unter https://vem.diearbeitgeber.de.