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Dank Corona weniger Azubis?

Dipl.-Päd. Nadine Giejlo

Die Bewerberzahlen für Ausbildungsstellen sind rückläufig. Das belegen die aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Dabei sind genügend freie Ausbildungsstellen vorhanden. Liegt das ausschließlich an Corona?

Auch wenn einige Unternehmen aufgrund ungewisser Zukunft weniger Ausbildungsstellen anbieten, die Bewerberzahlen sind deutlich stärker rückläufig. Betrachtet man beliebte Berufssparten der Metall- und Elektroindustrie, so sind die Bewerbungen im Bereich der Metallbearbeitung im Vergleich zum März 2020 um 25 Prozent zurückgegangen, in Maschinenbau- und Betriebstechnik sind es sogar 30 Prozent. Woran liegt das?

„Die Unternehmen haben im Moment große Probleme, die Schülerinnen und Schüler in den Schulen zu erreichen“, so Nadine Giejlo, Referentin für Fachkräftesicherung beim Unternehmerverband vem.die arbeitgeber e.V. „Praktika in den Unternehmen oder die Berufsorientierung im Unterricht fallen seit nunmehr einem Jahr weg“, so Giejlo weiter.

Die Unternehmen müssen umdenken, wenn es um die Azubi-Gewinnung geht. Digitale Formate, wie der M+E-BerufeStream der beliebten M+E InfoTrucks, sind neue Ansatzpunkte, um Fachkräfte zu sichern. In 45-minütigen Live Streams werden hierbei die Ausbildungsmöglichkeiten in der Metall- und Elektroindustrie aufgezeigt. Ein Angebot, das die Unternehmen aktiv nutzen, um ihre eigenen Ausbildungsplätze vorzustellen. „Wir als Verband versuchen, unsere Mitgliedsunternehmen bestmöglich zu unterstützen. Der Live Stream ist dafür eine tolle Möglichkeit. Doch wir tun noch mehr: Am 27. April bieten wir zum Beispiel gemeinsam mit der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen eine Online-Veranstaltung zum Thema Digitale Wege der Nachwuchsgewinnung an. Das Angebot kommt an und wir nehmen auch noch Anmeldungen entgegen“, betont Nadine Giejlo.

Auch die Politik trägt ihren Teil bei. Die Ausbildungsprämie ist ausgebaut worden und gilt nun auch für Unternehmen bis 499 Beschäftigte. Ein erster wichtiger Schritt, doch landesspezifische Ausbildungsanreize für Unternehmen müssen noch weiter ausgebaut werden. Die Berufsorientierung ist ebenfalls ausbaufähig, sowohl in Präsenzform als auch virtuell. „Hier sind insbesondere auch Lehrkräfte und Eltern gefordert. Nutzen Sie die Möglichkeiten, die geboten werden“, so Nadine Giejlo abschließend.

Der Fachkräftemangel in den MINT-Berufsgruppen wird weiter wachsen. Wenn Unternehmen zukunftsfähig bleiben wollen, gilt es umzudenken.