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100 Jahre NIEDAX - Ein Familienunternehmen mit Tradition und Innovationskraft

„Ein erfolgreiches, mittelständisches Unternehmen, zu 100 Prozent in Familienbesitz, geprägt von der Verbindung aus Tradition und Innovation wurde zum Global Player.“

Kabeltragsysteme aus Stahl, Edelstahl und Aluminium, aber auch aus anderen Materialien wie PVC oder GFK zählen zur breiten Produktpalette für die unterschiedlichsten Installationsbereiche der NIEDAX GROUP, die ein wahrer Spezialist für Extreme ist. Egal ob in eiskalter oder glühend heißer Umgebung, unter der Erde oder auf Hoher See, sie stellt sich den Gegebenheiten mit den jeweiligen Herausforderungen und liefert ihren Kunden stets die passende Lösung.

Die Systeme finden sich in der Hamburger Elbphilharmonie und im Gotthard-Basistunnel ebenso wie auf der Baustelle der Metro in Bangkok und in Windanlagen rund um den Globus.

Stetige Akquisitionen eröffnen dem Firmenverbund neue Wege, um Großprojekte im In- und Ausland mit intelligenten Kabelverlegesystemen auszustatten. So ist das Ergebnis hundertjähriger Erfahrung und zukunftsorientierter Innovationen heute die global operierende NIEDAX GROUP, die eigene Vertriebsgesellschaften und Produktionsstätten in mehr als 30 Ländern sowie weltweit rund 2.000 Beschäftigte zählt und ihren Hauptsitz in Linz am Rhein hat.

Für die Geschäftsführung ist die stetige Weiterentwicklung der Firmengruppe sowie der Ausbau der Aktivitäten, verbunden mit der Präsenz weltweit, einer der entscheidendsten Erfolgsfaktoren.

Um auf den bestehenden und neuen Märkten optimal agieren zu können und um diese richtig organisieren und vernetzen zu können hat das erfolgreiche Unternehmen unter anderem ein internationales Team ins Leben gerufen, das neben den technischen und betrieblichen auch über die notwendigen sprachlichen Kenntnisse verfügt. Somit kann die weltweite Kommunikation für Kunden und Mitarbeiter erheblich verbessert werden. Denn neben Innovationen in Produktions-und Verfahrenstechnik geht es bei Niedax längst auch um den besonderen Kundenservice, mit dem man sich von anderen abheben will.

Heute steht die NIEDAX GROUP weltweit für langjährige Erfahrung, fundiertes Wissen und darauf beruhende Kompetenz.

Wie alles begann…

Es waren keine leichten Zeiten, als sich Alexander Niedergesäß und Fritz Axthelm an ihrer Berliner Arbeitsstätte kennenlernten und im Februar 1920 beschlossen, zusammen das Abenteuer Selbständigkeit zu wagen. Die Auswirkungen des 1. Weltkriegs, die Wirren der Weimarer Republik und die nahenden Anfänge des Nationalsozialismus brachten die beiden jungen Männer jedoch nicht von ihrer Vision ab und so schafften sie es, ihr zunächst Niedergesäß und Co. OHG getauftes Unternehmen in den 20er und frühen 30er Jahren zu raschem Erfolg zu führen. Die beiden Gründer spezialisierten sich auf Installationstechnik. Den rasant wachsenden Bedarf an Elektrizität in Deutschland hatten sie bereits früh erkannt. Alexander Niedergesäß war ein begabter Tüftler und konzentrierte sich daher auf die technisch-innovativen Bereich, während Fritz Axthelm sich um das Kaufmännische kümmerte. Diese Aufteilung war perfekt, und das Unternehmen konnte schon bald expandieren. Im Jahr 1928 meldeten die beiden Unternehmer für den „Hülsenspreizdübel“ ein Patent an – viele weitere sollten in der weiteren Firmengeschichte folgen. Die Erfindung einer Reihenschelle gehört zu den Bedeutendsten.

Nach dem Börsensturz von 1929 und der damit einhergehenden Wirtschaftskrise, die das Unternehmen nur knapp überlebte, profitierte Niedax zweifelsohne zunächst von der Kriegswirtschaft der Nationalsozialisten, erlitt jedoch einen herben Rückschlag, als ein Firmengebäude in der Nacht vom 29. auf den 30. Januar 1944 bei einem Großangriff auf Berlin vollständig zerstört wurde. Vier Mitarbeiter kamen ums Leben. Büro-, Montage- und Lagerräume waren vernichtet. Auch das Ausweichquartier in Lichterfelde wurde wenig später von Bomben zerstört.

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs begannen Niedergesäß und Axthelm mit dem Wiederaufbau ihres Unternehmens. Durch den hohen Bedarf an Elektroinstallationen florierte das Geschäft schon bald wieder. Die beiden Unternehmer sahen sich jedoch durch die Teilung Deutschlands in vier verschiedene Sektoren vor neue Herausforderungen gestellt. So befand sich die Produktion im sowjetischen und die restlichen Unternehmensteile im amerikanischen Sektor. Die Teilung Berlins sollte in Folge für massive Behinderungen sorgen.

Zum Glück fand sich in Linz am Rhein bereits im Jahr 1948 ein geeignetes Gelände in Westdeutschland und so konnte das Unternehmen seine Erfolgsgeschichte fortschreiben. Nachdem das Unternehmen zu Beginn des Jahres 1955 den heutigen Namen Niedax GmbH und Co. KG – eine Zusammensetzung der Nachname der beiden Gründer – bekommen hatte, musste die Firma in den beiden darauffolgenden Jahren mit zwei weiteren Schicksalsschlägen zurechtkommen. Binnen kurzer Zeit verstarben die beiden Gründer und stellten das Unternehmen vor die große Herausforderung durch kurzfristige Umstrukturierungen und weitere Expansion den Erfolgskurs beizubehalten. Bereits Mitte der 60er Jahre wurden die Produkte der Niedax GmbH durch insgesamt 18 Niederlassungen vertrieben – sogar nach West-Berlin. Um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden, aber auch um im Wettbewerb einen Vorteil zu haben, entschieden sich die führenden Niedax-Köpfe dazu, eine eigene Profilieranlage in Betrieb zu nehmen. Dadurch wurde das Unternehmen bereits 1965 von Zulieferern unabhängig und konnte die Profilpalette nahezu beliebig ausbauen.

Durch die Firmengeschichte hinweg bewies die Firma Niedax immer wieder innovatives Denken und unternehmerisches Geschick. Anfang der 1970er Jahre kam es zu einem generellen Umdenken im Hinblick auf die Kabelverlege-Technik: Waren bis dahin noch Schellen aus Kunststoff und Metall gefragt, die auf Einzel- oder Registerverlegung ausgerichtet waren, ging man nun aus Zeit- und Kostengründen zu Massenverlegungen in sogenannten Kabelrinnen beziehungsweise Kabelkanälen über. Praktisch über Nacht brachte NIEDAX ein komplettes Sortiment an Kabelrinnen aus Stahl auf den Markt. 1976 wurde die gesamte Produktion schließlich von Linz nach St. Katharinen verlagert. Dort wurde eine eigene Verzinkerei errichtet und in Betrieb genommen – ein weiterer Meilenstein in der stetigen Weiterentwicklung der Produktionsprozesse.

Die deutsche Wiedervereinigung eröffnete Niedax weitere Möglichkeiten zur Expansion. Als Mitte der 90er Jahre Bruno Reufels und Egon Winggen die Geschäfte übernahmen, produzierten rund 300 Mitarbeiter am Stammsitz St. Katharinen eine Produktpalette von über 6000 Artikeln, die nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern auch in europäische Nachbarländer und sogar nach Übersee vertrieben wurden. In den späten 1990er und frühen 2000er Jahren folgten Firmenübernahmen und weitere Expansionen, vor allem am Standort St. Katharinen.

Das Jahr 2005 brachte der Firma eine weitere Umstrukturierung der Führungsebene. Die Gesellschafter kamen überein, die Firmenleitung zukünftig einem „Triumvirat“ anzuvertrauen: Ab dem 1. Juli 2005 fungierte Bruno Reufels als Vorsitzender der Geschäftsführung, zuständig für die strategische Entwicklung der NIEDAX GROUP und den weltweiten Vertrieb. Alexander Horn trat die Nachfolge von Egon Winggen, der 2007 nach 42 Jahren Betriebszugehörigkeit in Rente ging, als technischer Geschäftsführer an, und Rolf Luthardt übernahm die Bereiche Personalwesen, Organisation/EDV und Vertragswesen/Recht.

Es folgten internationale Niederlassungen und Übernahmen, beispielsweise in Thailand, Brasilien und Indien. Im Jahr 2018 wurde die Niedax Holding gegründet, die von Bruno Reufels und Alexander Horn geleitet wird. Heute, 100 Jahre nach der Gründung des Unternehmens, unterhält Niedax eigene Vertriebsgesellschaften und Produktionsstätten in 30 Ländern auf der ganzen Welt und kooperiert mit 80 Vertriebspartnern. Ein erfolgreiches, mittelständisches Unternehmen, zu 100 Prozent in Familienbesitz, geprägt von der Verbindung aus Tradition und Innovation wurde zum Global Player.

Das große Jubiläum im Februar 2020 hätte das Unternehmen jedoch auch gerne groß gefeiert. Inmitten der Corona-Pandemie war dies bisher nicht möglich. Die durch Corona ausgelöste Wirtschaftskrise legt nicht nur die große Feier auf Eis, sie sorgt auch für nie dagewesene Einschränkungen. Doch nach 100 Jahren Erfolgsgeschichte hat die Firma NIEDAX wiederholt bewiesen, dass sie auch die Herausforderungen, die das Jahr 2020 mit sich bringt, erfolgreich bewältigen wird.